240 Jahre Freimaurerei in Kassel von 1773 – 2013

Am Mittwoch, 11. Februar 1998 feierten die vier Kasseler Freimaurerei-Logen das 225-jährige Bestehen der Freimaurerei in Kassel. Sie beziehen sich dabei auf das Gründungsdatum der Loge “Friedrich von der Freundschaft”, die von 1773 bis zu einem von Landgraf Wilhelm IX. im Jahre 1794 ausgesprochenen Verbot in Kassel Bestanden hatte. Der Name Friedrich im Logennamen bezieht sich auf Landgraf Friedrich II., der dieser Loge, zu der er enge Beziehungen hielt, erlaubte, seinen Namen zu führen.

Nach dem ersten Aufschwung der Freimaurerei in Kassel in den siebziger und achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts erfolgte ein erstes Verbot im Jahre 1794. Dieses Verbot entsprang in vielen deutschen Ländern der Sorge der Fürsten, dass Freimaurer Fürsprecher der französischen Revolution waren.

In napoleonischer Zeit wurden Logen in Kassel wieder gegründet, und ab dem Jahre 1807 sammelten sich bis zum Jahre 1813 viele Angehörige der Eliten hessischer wie französischer Herkunft und erstmals auch Juden in drei Logen unter einem Dach einer Großloge von Westphalen. Mietglieder dieser Logen, soweit sie nicht Kassel mit König Jerome verließen, finden sich dann zum großen Teil in zwei kurhessischen Logen, die schließlich von Kurfürst Wilhelm 11. Im Jahre 1824 erneut Verboten wurden. Dies dürfte Ausdruck eines hilflosen Reagierens des Kurfürsten auf Intrigen am Hofe sowie der aufkeimenden bürgerlichen liberalen Bewegung gewesen sein.

Von 1848 bis 1850 kann sich dann für kurze Zeit eine Loge etablieren, die nach den zwei kurzen Jahren des Bestehens bis zum Jahre 1866, dem Ende der kurhessischen Souveränität, verboten bleibt. von diesem Zeitpunkt an setzen rege Gründungen von Logen ein, so dass bis zum endgültigen Verbot im Nationalsozialismus 1935 in Kassel sechs Logen arbeiten konnten. In der Zeit der Weimarer Republik spiegelte sich in ihnen wie in allen anderen gesellschaftlichen Institutionen die Zerrissenheit Deutschlands. Viele deutsche Logen hatten in dieser Zeit den internationalen Kontakt verloren, wenige nur unterhielten Kontakte zu englischen und französischen Freimaurern. Für Kassel ist der Kinderarzt Dr. med. Felix Blumenfeld hervorzuheben, der als letzter Meister der Loge ” Zur Einigkeit und Treue” mit seinen Mitgliedern versuchte, den liberalen Geist und die internationale Orientierung der Freimaurerei zurückzugewinnen. Blumenfeld hat als angesehener jüdischer Arzt seine berufliche Tätigkeit einstellen müssen, seine Loge hat sich mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten aufgelöst. Das Verbot der anderen Logen erfolgte in den beiden Jahren danach.

Bereits am 22. juni 1947 wurde in Kassel wieder eine Loge förmlich in Arbeit gesetzt. Beteiligt an der Gründung war der amerikanische Militärgouverneur Gustav J. Albrecht, der selbst Freimaurer war. An der Gründungsveranstaltung nahmen neben ihm eine Reihe amerikanischer Soldaten teil. Diese Loge wählte den Namen “Goethe zur Bruderliebe”, was zum Ausdruck brachte, dass die Erinnerung an die Klassik als einigendes Band für das neuentstehende Deutschland gesehen wurde. In dieser Loge sammelten sich die Mitglieder von fünf der vor dem Jahr 1933 in Kassel arbeitenden Logen. Im Jahr 1948 wurde die Loge “Zur Freundschaft” wieder eingerichtet. Zwei weitere Logen kamen hinzu: Im Jahre 1958 wurde die Loge “Durch Licht zum Frieden” eingerichtet und schließlich 1991 die Loge “Tor zum Osten”.